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Nase putzen - aber richtig!

Wissenschaftler weisen nach: Hochziehen ist gesünder als Schnäuzen

"Putz Dir endlich die Nase!" - ein Satz, den jedes Kind bis zum überdruss zu Hören bekommt. Doch nicht alles, was zur guten Kinderstube gehört, dient auch der Gesundheit. Nach einer Studie amerikanischer Mediziner werden nämlich beim Schnäuzen massenhaft Erreger in die falsche Richtung befördert, was zu Entzündungen der Nebenhöhlen und des Mittelohrs führen kann. Professor Dr. Jack Gwaltney und Dr. Birgit Winther von der Virginia-Universität in Charlottesville haben freiwilligen Versuchspersonen feine Druckmesssonden in die Nasen gelegt und dort den beim Husten, Naseputzen oder Niesen entstehenden Druck gemessen. Das Ergebnis: Jeder Schnäuzer ließ den Druck in der Nase auf bis zu 8.800 Pascal in die Höhe steigen. Dieser Druck reicht aus, um einen Milliliter des Nasenschleims in die Nebenhöhle zu pressen. Der beim Niesen oder Husten entstehende Druck ist dagegen nur ein Zehntel so hoch. Die beiden US-Wissenschaftler raten deshalb, sich bei Schnupfen nicht mehr zu schnäuzen, sondern die tropfende Nase lediglich abzutupfen.


Stofftaschentücher schaden mehr als sie nutzen

Das Schnäuzen in ein Taschentuch ist in Europa seit 400 Jahren üblich. Stofftaschentücher sollten aber der Vergangenheit angehören. Im feuchten Milieu von Taschentuch und Tasche können nämlich Krankheitserreger längere Zeit überleben und beim Schnäuzen erneut auf die Schleimhäute geraten.



Aber auch beim Schnäuzen in ein Wegwerftuch aus Papier werden häufig Fehler gemacht

Besonders ungünstig ist die weit verbreitete Gewohnheit, beim Schnäuzen beide Nasenflügel mit dem Taschentuch zusammenzupressen und dann aus beiden Nasenlöchern gleichzeitig zu schnäuzen. Wer seine Nase auf diese Weise freizubekommen versucht, baut dabei einen so hohen Druck auf, dass der Naseninhalt mit großer Sicherheit in die Nebenhöhlen oder durch die Eustach'sche Röhre bis ins Mittelohr gepresst wird. Das richtige Putzen lässt sich am Beispiel einer doppelläufigen Jagdflinte erklären: Jeder Lauf muss einzeln abgeschossen werden. Wenn beim Schnäuzen immer ein Nasenloch offen ist, kann sich kein hoher Druck in der Nasenhöhle aufbauen.



Das Schnäuzen sei eine "mitteleuropäische Unart" , meint auch Professor Dr. Wolfgang Elies, Chef der HNO-Klinik Bielefeld. Er empfiehlt: "Wer zu Nebenhöhlenentzündungen neigt oder bereits deswegen operiert wurde, sollte lieber auf das Taschentuch verzichten". Wesentlich günstiger sei die bei Kindern ohnehin beliebteste Reinigungsmethode der Nase, nämlich das Hochziehen.


nm 01/2009