Koffein: Freund und Feind des Menschen
In Kaffeebohnen, Tee- und Mateblättern, aber auch in Kola- und Guaraná-Nüssen ist Koffein enthalten, ein bitter schmeckender Stoff mit anregender Wirkung. So beginnt für uns Kaffeetrinker der Tag mit höchstem Genuss und freudigster Aufmunterung, ob wir den Kaffee vom Partner ans Bett gebracht bekommen oder uns die Kollegen im Büro mit Kaffeeduft willkommen heißen. Wir haben das Gefühl, nun fit für den Tag zu sein. Zumindest für einige Stunden, denn eine Besprechung, ein Seminar oder ein längeres Telefonat könnte uns die nächste Dosis abfordern.Sind wir abhängig vom Koffein?
Eine Abhängigkeit vom Kaffee entwickelt sich bei hohen Dosen innerhalb von 6 bis 15 Tagen. Entzugserscheinungen wie Kopfschmerz, Trägheit, Angst, übelkeit und Erbrechen treten schon nach 12 bis 24 Stunden ohne Koffein auf. Nach etwa einer Woche Abgewöhnung verschwinden die Entzugsgefühle.
Was passiert, wenn der Kaffee getrunken wurde?
Durch den unvergleichlichen Duft und den guten Geschmack des Getränkes wird zunächst das Wohlfühlen ausgelöst. Damit die aufputschende Wirkung eintritt, muss das Koffein über das Blut an seinen Wirkort im Gehirn gelangen. Dies dauert in etwa 30 bis 60 Minuten. In der Leber wird das Koffein schließlich abgebaut. Etwa 0,5 bis 1,5 Prozent des Koffeins werden unverändert mit dem Urin ausgeschieden.
Die Wirkung des Koffeins hält etwa 4 Stunden an, mit großen persönlichen Schwankungen. Rauchen regt den Abbau an, Leberschäden, z. B. durch Alkoholmissbrauch, verlängern die Wirkung. Auch bei Schwangeren verlängert sich die Wirkung um einige Stunden, sinkt aber innerhalb eines Monats nach der Entbindung wieder auf den Normwert. Beim Fötus und Neugeborenen ist das Koffein wesentlich stärker und länger wirksam als beim erwachsenen Menschen. Orale Verhütungsmittel ("die Pille") vermindern den Koffeinabbau, Barbiturate (heute nur selten verwendete Schlafmittel) beschleunigen ihn.
Allgemeine Wirkung
Die häufig befürchtete Blutdruckerhöhung tritt nur bei Personen ein, die selten Kaffee trinken.
- Koffein hat eine harntreibende Wirkung.
- Koffein entspannt neben der glatten Muskulatur der Gefäße in besonderem Maße auch die Muskulatur der Bronchien.
- Koffein beeinflusst das Herz-Kreislauf-System, z. B. Erhöhung der Herzmuskelschlagkraft.
Wirkung in Medikamenten
Die Hirn anregende Wirkung des Koffeins wird bei verschiedenen Kombinationspräparaten ausgenutzt:
- Schmerzstillende Mittel: Schmerz macht schlapp, Koffein belebt.
- Vitaminpräparate zur Förderung der Genesung nach Operation und Geburt: Die allgemeine Abgeschlagenheit soll durch das Koffein aufgehoben werden.
- Bei Migränepräparaten wird die gefäßerweiternde Wirkung des Koffeins genutzt.
- Bei Reiseübelkeit: Der eigentliche Wirkstoff bekämpft zwar die übelkeit, macht aber müde, deshalb wird Koffein zugesetzt.
- Adrenalin-ähnliche Stoffe und Schilddrüsenhormone werden in ihrer Herz beschleunigenden Wirkung verstärkt.
Koffeinmissbrauch
Beachtet man bei koffeinhaltigen Aufputschmitteln nicht die Hinweise auf der Verpackung können bei höheren Dosen, über 15 mg/kg Körpergewicht, übelkeit, Erbrechen, Ruhelosigkeit, Zittern, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und schnelle Atmung auftreten, auch Angstzustände und Panikattacken, in Extremfällen sogar Herz-Rhythmus-Störungen bis zu zerebralen Krampfanfällen und Koma. Bei bestimmten Erkrankungen beispielsweise am Herzen oder bei Schilddrüsenüberfunktion sollte auf Koffein verzichtet werden.
Bei normalen zwei bis drei Tassen Kaffee am Tag (pharmazeutische Dosis 3 bis 4 mg/kg Körpergewicht) wird Koffein allgemein gut vertragen. Das Koffein im Schwarzen Tee ist in seiner wach machenden Wirkung ähnlich, aber im Gegensatz zum Kaffee nicht aufregend. Die Wirkung setzt später ein, hält jedoch länger an. Colagetränke enthalten sehr viel weniger Koffein als Kaffee. Die Guaraná-Nuss enthält dreimal so viel Koffein wie Kaffee, und das südamerikanische Mate-Getränk ist wegen seiner anregenden, aber auch entspannenden und vor allem appetitzügelnden Wirkung auch in unseren Breiten beliebt.
MGO: Rowena Grell
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